Wie Facebook mich zwang „sozial“ zu sein – um mich dann auszuschliessen.

Was ist Freundschaft? Wie verändert sich der soziale Umgang mit der Zeit? Wie interagieren wir heute? Und wie kommunizieren wir heute? Verdammt fühle ich mich alt!

Freundschaft

Ich habe mich schon öfters gefragt, was ist eine Freundschaft? Was sind Kollegen und Kolleginnen? Und wie verhält es sich damit in Zeiten der sozialen Medien?

Hier kann und will ich nur aus meiner eigenen, subjektiven Perspektive schreiben.

Eine Freundschaft braucht Pflege, Interesse am Gegenüber und den Willen dafür Zeit aufzuwenden, gerade auch dann, wenn es darum geht zu Stützen oder für den Anderen da zu sein. Ein gegenseitiges Interesse ist unabdingbar sonst wird die Sache einseitig.

Mit Kollegen verbringe ich gerne eine gute Zeit, es passiert aber auch, dass man sich wieder eine Weile nicht sieht und sich auch nicht immer die Zeit dafür nimmt den Austausch zu pflegen.

Und die vielen Facebook-Freund? Die Follower auf Instagram? Oder wie auch immer man sozial aggiert?

Ich habe mich lange gegen soziale Medien gewehrt, einerseits aus technischen Gründen (welche ich hier aber bewusst ausklammere) und auch aus sozialen Gründen (mit denen ich mich jetzt befasse).

Kommunikation

Ich gehöre zur letzten Generation die als Kind noch ohne Internet aufgewachsen ist. Als Jugendlicher hatte ich langsam Zugang zu Internet (mit diesen coolen Einwähldingern die die Telefonleitung lahmlegten) und das erste Mal Kontakt mit Social Media hatte ich zu Beginn meines Studiums.

Als Kind und junger Jugendlicher hatte ich noch Brieffreundschaften, d.h. mein Brieffreund (oder Brieffreundin) und ich schrieben uns, dabei konnte es gut und gerne auch meherer Wochen dauern bevor eine Antwort auf den versandten Brief wieder eintraf. Das Briefeschreiben pflege ich ab und an noch, wobei auch das immer schwieriger wird – Zeit und so. Apropos Zeit, wieviel Zeit nimmt man sich noch für Freundschaften? Ich habe gemerkt, dass auch ich selber mir wohl oft zu wenig Zeit genommen habe die letzten Jahre um Freundschaften zu pflegen.

Worauf ich hinaus will, die Art zu Kommunizieren hat sich geändert und ich muss ehrlich eingestehen, ich habe meinen Weg darin noch nicht gefunden. Ab und an Frage ich mich, ob ich zu nostalgisch eingestellt bin? Und dann fühle ich mich wieder alleine, weil viele Kontakte eben nicht überdauerten. So sind z.B. alle Kontakte aus meiner Zeit in den USA beinahe eingeschlafen. Oder weil ich Begebenheiten wie Heirat, Geburt, Todesfall nicht mitkriege weil es nur über Social Media geteilt wird. Das ich an Partys nicht eingeladen bin, weil es nur über Social Media geteilt wird. Mein Freundeskreis ist schlicht sehr klein geworden, und für meinen Kollegenkreis muss ich viel Aufwand betreiben um ihn zu erhalten, denn will ich dabei sein muss die Initiative oft von mir aus gehen – wegen kein Facebook, WhatsApp und so.

In den letzten fast zwei Monaten wurde ich einmal mehr immer wieder gefragt, hast du Facebook oder Instagram? Wäre cool wenn wir in Kontakt bleiben könnten. Dies von Menschen mit denen ich wirklich tolle Erlebnisse hatte – Erlebnisse die manchmal nur kurz andauerten wenn wir gerade gleichtzeitig an einem wunderbaren Ort waren und zusammen die Atmosphäre genossen haben, Erlebnisse die manchmal ein paar Tage dauerten weil man sich immer wieder auf der Strasse getroffen hat oder in der selben Unterkunft nächtigte. Nicht ein einziges Mal wurde ich nach der Telefonnummer, der Wohn- oder Emailadresse gefragt – nur Facebook und/oder Instagram. Was also machen? Ich begann mir Gedanken über meine engen Freunde zu machen und über meinen Kollegenkreis – und ich trat nach über 12 Jahren ein die Welt der Social Media.

Soziale Medien

Obwohl, so wurde mir gesagt, Facebook und Instagram schon zu den älteren Kalibern gehören, sind es doch diese beiden Netzwerke nach denen ich am Meisten gefragt wurde. Also habe ich mich da mal angemeldet.

Ganz ehrlich – ich war komplett überforderet (und bin es glaube ich immer noch). Schnell hatte ich ein paar Freunde und Follower zusammen und erhielt Einblick in verschiedene Timelines und Feeds. Wurde überrascht von einer Flut von Likes und Comments. Von schönen Bildern und interessanten Aussagen und inhaltlosen Floskeln und peinlich, narzistischen Auswüchsen. Und jetzt? Like ich alle Bilder eines Followers nur weil er meine Bilder geliked hat? Obwohl mir die Bilder vielleicht gar nicht gefallen? Packe ich einen Kommentar unter das Bild oder den Status oder was auch immer nur damit da was steht? Welche Hashtags verwende ich um Reichweite zu erhalten? Das hat dazu geführt, dass ich mir überlegte, wie möchte ich die beiden Sozialen Netzwerke für mich nutzen und wie finde ich heraus „wie man sich richtig verhält dort“.

Für mich steht das Vernetzen und künftige Erhalten der Kontakte klar im Vordergrund. That’s it! Nein!

Es ging nicht lange, da wurde ich gefragt, ja du machst ja immer Fotos wo können wir die denn sehen? Auf dieser Website hier – ah nein, ist ja nur Deutsch hier. Ich entschied mich also für einen Kompromiss und dafür, mittels ausgewählten Fotos meine aktuellen Tätigkeiten etwas abzubilden – ein Kompromis zwischen Onlinepräsenz und Privatsphäre.

Die Macht von Facebook

Noch eine kleine Geschichte am Schluss um den Bogen zu Ende zu spannen. Ich habe mein Facebookaccount erstellt und ein Profilbild hochgeladen und mich danach ausgelogt. Zwei Stunden später wollte ich einen ersten Beitrag erstellen und als ich mich einloggen wollte kam die Meldung ich müsse ein Bild von mir hochladen auf dem mein Gesicht klar erkennbar ist. Kein weiterer Kommentar, keine Kontaktmöglichkeit, keine Emailbenachrichtigung. Ich habe ein Bild von mir hochgeladen das von mir bereits online existiert. Darauf hin wurde mein Account kommentarlos gelöscht! Kein weiterer Kommentar, keine Kontaktmöglichkeit, keine Emailbenachrichtigung, kein Grund für die Löschung.

Nach einer kurzen Internetrecherche fand ich ein Beschwerdeformular – mit der zwingenden Anforderung einen amtlichen Lichtbildausweis hochzuladen und eine Beschwerde einzureichen. Keine weiteren Infos, nichts. Ok, Kopie gemacht, alles ausser meinem Bild, Geburtsdatum und Name geschwärzt und hochgeladen – mal sehen wohin mich dieses Spiel führt. Nach dem Hochladen erneut, kein weiterer Kommentar, keine Kontaktmöglichkeit, keine Emailbenachrichtigung. Zwei Wochen später war mein Account freigeschaltet – kommentarlos.

Jeder der Facebook hat, weiss wie kontaktfreudig Facebook ist wenn es um „wichtige“ Notifications geht – dort wo es zählt gibt es kein Kontakt und keine Kommunikation.

Die Macht die dieser Konzern hat ist schlicht unbeschreiblich – und wie gesagt, die ganzen technischen Details dieser IT-Firmen und das damit zusammenhängende SocialEngineering, BigData und so weiter habe ich hier bewusst nicht eingebracht.

Happy Sharing and Liking!

4 Antworten auf „Wie Facebook mich zwang „sozial“ zu sein – um mich dann auszuschliessen.“

  1. Ja genau darum pflege oder versuche es zumindest, meine sozialen Kontakte direkt (wir stehen oder sitzen uns gegenüber) oder über Whatsapp, Threema und E-Mail.
    Ich bin sehr wahrscheinlich völlig altbacken kein Facebook-Profil, da ich jedoch nicht alles wissen muss ist dies perfekt für mich.
    Übrigens wunderbare Fotos.
    Glg von deiner altbackenen Cousine😉

    1. Hallo Alexandra

      kann ich gut verstehen. Ich denke die Kunst ist heutzutage diese, neue Kommunikationsmittel zu integrieren. Zum Glück setzen sich viele junge Menschen differenziert damit auseinander.

      Ich merke es aber an mir selber, man wird davon beeinflusst – ob man will oder nicht. Diese Beeinflussung zu erkennen finde ich nicht einfach.

      Auf ein Glas Wein – irgendwann dann mal, irgendwo.

      Gruss vom nicht ganz so altbackenen Cousin 😉

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