Vancouver – die letzten Tag in Kanada

In Vancouver entscheidet sich die Zukunft unserer Reise. Im Kopf haben wir einen Plan. Die Umsetzung hängt von den US-Behörden ab. Wir müssen aufs Konsulat.

Am Sonntag Nachmittag erreichen wir Vancouver. Wir quartieren uns in unserem Hotel unweit des US-Konsulats ein und bereiten uns auf das morgige Visa Interview vor. Alle Dokumente liegen bereit und das Zusenden der letzten Originaldokumente aus der Heimat ins Hotel hat auch einwandfrei geklappt. Wir sind parat. Und die Nerven liegen blank.

Visumsprozess für die USA

Wir wollen länger als drei Monate in den USA bleiben, also brauchen wir ein B2 Touristenvisum. Da wir bei unserer Abreise die Aufenthaltsdauer in den USA noch nicht kannten, mussten wir jetzt den Weg über das US-Konsulat in Vancouver gehen. Das geht zwar, aber die ursprüngliche Anweisung des Konsulat war, wir sollen dies doch bitte zu Hause machen – ja klar, wir fliegen nach Hause und machen es von dort aus und dann fliegen wir wieder hierher. Nach einigem Emailverkehr gehts dann plötzlich, aber die Formulare und Prozesse seien halt für Amerikaner oder Kanadier ausgelegt und wir sollen einfach so wahrheitsgemäss wie möglich ausfüllen – klingt schon mal vielversprechend.

DS-160 füllen wir aus, ein Standardformular für Nonimigration Visas in die USA, kenne ich schon von meinem J1 Visum. 320 USD haben wir auch bereits überwiesen nur ein kleines Problem hatten wir dazumals vor fünf Wochen als wir dies alles machten. Wir brauchen eine kanadische Adresse um unsere Pässe nach dem Visumseintrag zu erhalten. Das System erlaubt uns partout nicht diese selber abzuholen – da wir keinen US- oder Kanadischen Führerschein haben – haha. Dank neuen Freunden in Kanada ist bald eine Adresse aufgetrieben – nämlich beim Schwager von Robin aus Novia Scotia, der in Vancouver lebt. Soweit so gut, alles ist also am Sonntagabend vorbereitet.

Los gehts am Montag.

Wir lassen alles im Hotel ausser der Zimmerschlüsselkarte und unseren fein säuberlich vorbereiteten Originaleingeflogenen Unterlagen.

US-Konsulat 7.50 Uhr: Lange Schlange vor dem Gebäude, wir reihen uns ein.

US-Konsulat ungefähr 8.15 Uhr: Wir sind drann. Unser DS-160 Bestätigungsschreiben wird ein erstesmal überprüft und mit unseren Pässen abgeglichen. Wir werden angelächelt – das kann ja nur gut kommen.

Us-Konsulat ungefähr 8.15 Uhr bis 8.45 Uhr: Sicherheitskontrollen, plural. Wir werden immer wieder angelächelt. Kommt sicherlich gut.

US-Konsult ungefähr 8.45 Uhr: Liechtensteiner Pass? Sowas habe sie noch nie gesehen. Das freu sie jetzt aber. Wir reden ungefähr 5 Minuten über Liechtenstein und erhalten dann unsere Unterlagen.

US-Konsulat ungefähr 8.58 Uhr: Nächster Schalter. Fingerabdruckschalter. Ein Liechtensteiner Pass hätte sie aber noch nie gesehen. Wir reden ca. 3 Minuten über Liechtenstein während wir unsere Fingerabdrücke abliefern.

US-Konsulat ungefähr 9.20 Uhr: Jetzt gilts ernst, wir müssen zur Konsularin. Wir haben alle Unterlagen feinsäuberlich parat, alle möglichen Fragen im Kopf durchgegangen und die Antworten abgesprochen. Jetzt sind wir also drann. Kaum sieht sie den liechtensteiner Pass lacht sie und sagt: „That’s a great day! I never had a citizen of Liechtenstein here before!“ Ja, und dann reden wir noch kurz über unsere geplante Reise und erhalten danach die Zusage fürs Visum. Und all die schweren Fragen? All unsere Unterlagen? Ja vielleicht brauchen wir die ja noch an der Grenze.

Das ging ja mal flot und wie geölt. Perplex aber sehr glücklich verlassen wir das Konsulat.

Vancouver

Wir wissen nicht genau wie lange es dauert bis wir das Visum erhalten werden. Wir haben noch eine weitere Nacht im Hotel gebucht und danach eine Nacht in einem AirBnB. Wir geniessen das Hotel und besichtigen einwenig die Stadt. Am nächsten Abend besucht Christina einen Ukulele-Circle und am Mittwochmorgen, wir wollten gerade aufbrechen in Richtung Whistler, da erhalten wir ein E-Mail, unsere Visas werden heute zugestellt. Oh woh, nicht mal drei Tage. Ja dann wird halt Whistler gestrichen.

Und tatsächlich, am Mittwoch um ca. 15.00 Uhr halten wir unsere Pässe wieder in den Händen und darin kleben die beiden Visas. Danke Gerry für deine Hilfe!

Wir verlassen also noch an diesem Tag Vancouver und quartieren uns in einem Provincial Park nahe der Grenze zu den USA ein.

Die letzte Nacht

Jetzt heisst es den Van vorbereiten. Eine Internetrecherche hat ergeben, die Grenzkontrolle kann von einfach durchfahren, bis zu komplett das Auto zerlegen, alles umfassen. Wir bereiten uns vorsichtshalber auf komplett das Auto zerlegen vor und verstauen alles feinsäuberlich, räumen auf, entsorgen essen die Lebensmittel die wir nicht mitnehmen dürfen und geniessen eine letzte Nacht in Kanada. Nicht einmal der neugierige und sehr aufdringliche Waschbär kann uns da noch die Stimmung vergrämen.

Donnerstagmorgen: Wir sind nervös, was erwartet uns?

Donnerstagmittag: Wir sind noch daran eine letzte Sehenswürdigkeit zu betrachten, Fort Langley.

Fort Langley

So wirklich können wir uns nicht darauf einlassen, zu nervös sind wir.

Donnerstag nach dem Mittag: Unsere letzten kanadischen Dollars verbrauchen wir im Canadian Tire und im Tim Hortons. Ein letztes Mal heisse Marshmallow Schokolade und TimBits.

Donnerstag noch etwas später nach dem Mittag: Wir haben drei Möglichkeiten für den Grenzübergang, gemäss Googlemaps ist derjenige ganz östlich derjenige mit dem geringsten Verkehr und der geringsten Wartezeit. Los gehts. Entlang des Highway 11 rollen wir in Richtung Sumas.

Donnerstag Nachmittag: Wir spuren ein auf der Spur für Wohnmobile (und Autos, so genau weiss ich nicht was wir sind. Auto? Wohnmobil? Wohnmobilauto?) Wir sind dran. Ungläubig wird das Autonummernschild angeschaut, dann wieder die Pässe. Wie lange wir bleiben wollen? Ja wir haben einen Flug gebucht Ende März. Hmm, der Beamte rechnet………. das sind aber mehr als 6 Monate. Mir sackt das Herz in die Schuhe. Ich rechne……. verdammt das sind ja wirklich mehr als 6 Monate. Mein Hirn rast, denkt, ist verwirrt. Moment, das kann nicht sein. Ich stammle etwas von, nein das kann nicht sein. Und da rechnet der Beamte erneut……. Ah ja, 5 Monate und 2 Wochen. Puhh, mein Herz sitzt wieder am richtigen Fleck. Wir kriegen einen gelben Zettel und sollen da drüben parkieren.

Jetzt gehts los denke ich, wir werden zerlegt!

Rein in den Parkplatz, und rein ins Zollgebäude. Da ruft plötzlich ein Zollbeamter quer durch den Raum: „Liechtensteinians, over here please!“. Er hat ein breites Grinsen im Gesicht. Also einen Liechtensteiner habe er auch noch nie getroffen. Und so passiert, was wir uns schon gwohnt sind. Wir plaudern über Liechtenstein, zahlen 12 Dollar, erhalten unser I-94 Formular und zwei Stempel und dürfen nun offiziell bis April in den USA bleiben. Unterlagen? Nee, hat niemand angeschaut. Auto? Nee, hat niemand angeschaut.

Wir gehen raus, wir steigen ins Auto, wir fahren los und wollen nur weg von der Grenze. Da muss doch noch ein Haken irgendwo sein? Erst einige 10 Kilometer entfernt von der Grenze, als auch der CBP (Customs and Border Patrol) Pick-Up nicht mehr hinter uns ist realisieren wir, wir wahren woll diejenigen die durchgewunken werden.

Wir sind in den USA. Und einmal mehr, kommt irgendwie einfach alles gut.


2 Antworten auf „Vancouver – die letzten Tag in Kanada“

  1. Hi ihr Zwei ,
    da habt ihr ja richtig Glück gehabt, so einfach über die Grenze zu kommen. Aber oft ist es ja so : bestens vorbereitet, dann geht´s so unkompliziert … wenig vorbereitet, dann kommt´s dicke. Hier könnt ihr vielleicht Vorfreude auf viele Erlebnisse tanken :
    https://www.two-vagabonds.de/
    Unvergessliche Momente & wunderschöne Eindrücke
    wünscht euch
    Luggi

    1. Hallo Luggi
      Ja wir gehören wohl jetzt zu denen wo der Übertritt unkompliziert war. In den letzten zwei Wochen haben wir viele andere Camper getroffen die auch kürzlich über die gleiche Grenze fuhren. Total unterschiedliche Geschichten. Scheint einfach von Fall zu Fall unterschiedlich zu sein.

      Danke für den Link, sieht sehr interessant aus.

      Gruss und Danke
      Janosch & Christina

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