Manchmal frage ich mich – was ich mir eigentlich dabei denke!

Ich ertappe mich immer öfter, dass ich eine Idee habe und diese dann strikte umsetzen will. Eigentlich ja eine gute Sache – eigentlich!

Die Idee taucht auf

Die die mich kennen, wissen, dass ich zu oft in meinem Kopf zu Hause bin, d.h. Dinge wieder und wieder in meinem Kopf durchspiele, plane, präzisiere und dann umsetze – oder zumindest versuche sie umzusetzen. So auch mit Ideen – sie tauchen oft wie aus dem Nichts auf und setzen sich in meinem Kopf fest. So tauchte auch die Idee auf, die Reise im Norden zu beginnen.

Die Idee wird überladen

Sobald die Idee einmal in meinem Kopf ist, bleibt sie dort und ist nicht mehr so einfach raus zu kriegen. Die meisten wissen, die Gedanken sind frei. Da spiele ich mit der Idee, erweitere sie, streiche Dinge wieder und füge neue dazu.

Der Norden, Norddeutschland, Polen, Estland, Lettland, Littauen, Finnland, Schweden, Norwegen – oh ja Norwegen. Was gibt es da nicht alles, Nordkapp, Lofoten, Schnee, wilde Tiere, Fjorde, Nordlichter, Bergwanderungen, Kajakfahrten, Bootsfahrten, Meer, Oslo, Bergen, Trondheim, usw.

Was fehlt?

Doch irgendwie gelingt es mir oft nicht, einen Realitätscheck zu machen – und wenn doch, dann irgendwie nicht gründlich genug. Da fragen sich jetzt die einen – Moment, du bist doch Ingenieur, ist nicht genau das ein Teil deines Berufes. Paradoxe Welt, nicht – antworte ich jetzt mal darauf.

Realitätscheck 1 – Zeitraum

Irgendwie, so Anfangs 2018, dämmerte es mir, Moment du hast ja eigentlich nur zwei Monate Zeit? Wie war das nochmals? Norddeutschland, Polen, ….. , Bergen, Oslo, etc.? Uuuuppps?! Also nur Norwegen! Aber dafür richtig, Nordlichter, Nordkapp, Fjorde, Bergwanderungen, …. merkt ihr was?

Realitätscheck 2 – nocheinmal Zeitraum

Irgendwann, so Anfangs März 2018, dämmert es mir, Moment du hast ja wirklich nur zwei Monate Zeit? Ja wenn ich mitte März schon gehe etwas mehr. Also nur die Nordlichter, und dann lassen es wir mal auf uns zukommen was passiert. Nordlichter – wie der Name schon verrät – sind im Norden zu sehen, d.h. also mein Ziel, so schnell als möglich, so weit in den Norden als möglich, mindestens Tromsø muss es sein. Ja das kriege ich hin – ich rechne, ok rund 3500 Kilometer, je nach Route – eine Woche, das klappt (Nordkapp klappt dann auch, ist ja grad um die Ecke).

Realitätscheck 3 – dieser verdammte Zeitraum

Irgendwann, so Mitte März 2018, dämmert es mir, wie war das noch einmal im letzten Jahr, da war irgendwas mit zu viel Stress, zu viel vorgenommen, zu hohe Ziele gesteckt, Gesundheit, Rückzug und so? Ok, dann fahre ich ein paar Tage später ab, die Nordlichter werden schon auf mich warten.

Realitätscheck 4 – die Jahreszeit

Es ist Ende März, ich fahre in den Norden, dort ist es noch tiefster Winter. Ja klar, weiss ich doch, komme ja nicht aus Italien oder Griechenland oder sonst woher wo es nicht kalt ist im Winter. Aber irgendwie habe ich es dann doch verpasst mir die ganzen Konsequenzen durchzudenken – wie war das nocheinmal mit alles im Kopf durchdenken und so? Das Richtige sollte man halt durchgenken, du Idiot! So langsam bröselt es mir wie Schuppen von den Augen – vielleicht hast du dich mit deinen Zielen etwas übernommen. Zwar sind -15° dank Standheizung kein Problem, aber du musst auch kochen, waschen, fotografieren – die Körperhygiene und das Loswerden der Essens- und Trinkensreste aus dem Körper sind auch nicht zu vergessen – ja irgendwie geht mein Plan nicht auf, zumindest nicht mit meinem Fahrzeug.

Jetzt ist Mittwoch der 11. April. Nach meiner insgeheimen Vorstellung wollte ich am 2. April am Nordkapp sein. Ich war es nicht, Rolf und Anita schon. Ich bin froh, bin ich noch etwas weiter südlich, auch hier hat das Wetter schon einige Herausforderungen bereit.

Fazit

Ja manchmal sollte man auf sein Umfeld hören und deren Bedenken nicht einfach in den nordigen Eiswind schlagen, manchmal sollte man auch innehalten und einen ehrlichen Realitätscheck machen mit sich selber – und manchmal sollte ich einfach den unaufhörlichen Gedankenstrom in meinem Kopf abschalten. So viel er mir oft hilft – so viel kann er auch kaputt machen, denn unbewusst wachsen die Erwartungen dadurch imens.

Ist man die Erwartungen erstmals los, hat es Platz für die vielen tausend tollen Dinge die man erleben kann – und die nicht geplant waren.

 

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