Kalifornien – Redwood Nationalpark

Die Macht der Bäume ist mit uns. Keine Ahnung wieso ich das schreibe, dass war aber das Erste das mir in den Sinn kam als ich an die Redwoods dachte.

Sich im Redwood Nationalpark (und Statespark) zurechtzufinden ist ja nicht so einfach, darüber habe ich schon geschrieben. Nach unserem Aufenthalt im Norden, sind wir nun in den südlichen Teil gefahren. Da zu dieser Zeit das „Camp Fire“ in Kalifornien tausende Häuser und riesige Flächen an Wald zerstört und der Rauch unablässig die Luft in San Francisco verschmutzt, haben wir genügend Zeit uns hier umzusehen. Auf einer Landkarte habe ich was von einem Strandcampingplatz gelesen. Das müssen wir uns anschauen.

Gold Bluffs Beach Campground

Nach einer schönen Fahrt durch die Redwoods biegen wir links rechts (ich und meine links-rechts Schwäche) ab – und schon mache ich eine Vollbremsung.

Elkmutter die ein Jungtier säugt.
Elkdame mit Jungtier

Wir sind noch im Prarie Creek Statepark (gehört zum Redwood Nationalpark) und hier hat es viele Elkherden die frei und relativ unscheu heraumwandern. Nach dem Fotostopp gehts dann auch weiter. Die Strasse wird steiler, die Kurven enger, der Belag schlechter, der Belag verschwindet, Schotter, Sand, Staub, das Meer erscheint. Die Schlaglöcher werden grösser und irgendwann müssen wir noch einen Bach furten – mit dem Trotti BrumBrum – und dann ist er da, der Gold Bluffs Beach Campground. Wow, wie cool. Wir ergattern einen schönen Platz und bleiben für eine Nacht vier Nächte.

Belohnt werden wir mit wunderschönen Sonnenuntergängen und tossenden Wellen.

Sonnenuntergang über dem Pazifik.
Ohne Worte!

Die Küste fällt hier sehr steil ab und deshalb brechen die Wellen erst sehr nahe am Strand. Nahe heisst, man sieht die Wellen kaum und auf den letzten 50 Metern türmen sie sich dann teilweise mehrere Meter auf und brechen mit lautem Getösse über den Strand herein. Ehe man sich versieht, hat man nasse Füsse.

Wellen am Strand bei Sonnenuntergang.
Sonnenuntergang

Ganz in der Nähe ist der Fern Canyon, ein kleiner Canyon dessen Wände mit Farnen überzogen sind. Wagemutig haben wir diesen natürlich erkundigt. Vor lauter Staunen – und Christina helfen dass sie keine nassen Füsse kriegt – habe ich nicht viele Fotos gemacht.

Kleine Stromschnelle im Fern Canyon
Fern Canyon

Am fünften Tag haben wir nicht mehr so Freude mit dem Morgennebel und wir machen uns auf den Rückweg. Bach furten, Kiesweg, Sandweg, Schotterweg, Bergfahrt, durch Bäume hindurch (also zwischen den Bäumen ;-)) und eine halbe Stunde später sind wir wieder im Prairie Creek Statepark.

Prarie Creek Redwoods Statepark

Rasch ist ein gemütliches Plätzchen mit maximaler Sonneneinstrahlung auf dem Campintplatz gefunden (die Sonne geht mittlerweile um 17.00 Uhr unter und meist noch früher, da der Horizont verdeckt ist, da gilt es jede Minute Sonnenstrahlen auszukosten). Die Nacht bricht herein und es wird dunkel. Um 18.00 Uhr, es ist schon sehr dunkel 😉 muss ich nochmal raus (so für grosse kleine Jungs und so). Es ist sehr nebelig und wer schon einmal eine Stirnlampe im Nebel verwendet hat, der weiss, die nützt eigentlich gar nichts. Ich laufe also durch den dunklen Nebel mit Stirnlampe als mich plötzlich 6 Augen anstarren. Ich erstarre! Jetzt muss man wissen, dass wir ein paar Stunden zuvor erfahren haben, dass hier an dieser Stelle kürzlich ein Mountain Lion gesichtet wurde – eine sehr seltene Begebenheit. Mit den Mountain Lions will man es sich aber nicht so verscherzen. Und da stehen jetzt 3 Mountain Lions im Dunkeln drei Meter vor mir. Oder so stelle ich mir das zumindest innerlich vor, denn ich sehe ja nur 6 Augen. Ich ziehe mich mal vorsichtshalber zurück. Und überlebe das Ganze gerade so knapp. Jetzt spulen wir mal kurz 24 Stunden vorwärts. Es ist wieder 18.00 Uhr und diesmal muss ich nicht für kleine grosse Jungs sondern will die Sterne sehen. Ich gehe raus – ahhhhh, schon wieder die 6 Augen. Jetzt aber ohne Nebel. Nach einer halben Stunde Augen (und das dazugehörige Tier) beobachten steht fest, ich habe keine Ahnung was das für ein Tier ist, aber ein Mountain Lion ist es nicht. Ich würde es wie ein Fuchs beschreiben, aber silbrig? Tatsächlich, es gibt Silberfüchse und offenbar lebt hier eine Familie wie uns der Park Ranger am nächsten Tag erklärt. Ok, so jetzt spulen wir wieder 24 Stunden zurück und ich erzähle euch was wir sonst noch so erlebt haben im Prairie Creek Redwoods Statepark.

Verschriebenes Feuer im Prairie Creek Redwoods Statepark.
Prescribed Burn

Eine prärieähnliche Fläche (die kurz vor unserer Ankunft kontrolliert abgebrannt wurde – ein nötiger Eingriff zur Erhaltung der Artenvielfalt) ist umschlossen von Redwoodwäldern. Grosse Teile davon sind von Menschen unberührt also „Old Growth Forrest“. Ideal für grosse und kleine Wanderungen.

Waldrand gesäumt von mächtigen Redwoods.

Wir verbringen zig Stunden beim erkunden der umliegenden Wälder.

Wie ich ja in einem vorherigen Artikel bereits beschrieben habe, benötigen die Redwoods nur einen kleinen Teil des Stammes zum Leben. Dies sieht man auf folgendem Bild sehr gut.

Der ganze innere rötliche Teil ist „totes“ Holz, der weisse Teil am Rand ist das „lebendige“ Holz und die Rinde aussen dient dem Schutz. Diese Rinde kann z.T. faszinierende Formen annehmen, teilweise natürlich, teilweise durch Beschädigung.

Wir kommen jedenfalls aus dem Staunen nicht heraus. Doch ein Abenteuer wartet noch auf uns hier. Der Tall Tree Trail.

Tall Tree Trail

Der Tall Tree Trail liegt etwa 40 Autominuten entfernt und ist streng limitiert auf 50 Autos pro Tag. D.h. 50 Autos pro Tag werden auf die Zufahrtsstrasse gelassen die zum Parkplatz führt. Wir sind eines dieser 50 Autos. Nach 40 Mintuen Autofahrt, einer Stunde Wanderung und rund 300 Höhenmeter tiefer – ja man muss da runterlaufen und nachher wieder hoch :-D) sind wir dort.

Portait von Christina vor Redwood.
Ready to go!

Es ist sehr schwierig die grösse der Redwoods auf einem Foto abzubilden. Ich habe Vieles ausprobiert und doch war ich nur selten mit dem Resultat zufrieden. Finde Christina!

Wir verbringen insgesamt einen halben Tag hier, eines haben wir aber unterschätzt. Wir sind in der Nebensaison, d.h. es hat allgemein nicht viele Leute unterwegs. Ein Trail der limitierten Zugang verspricht zieht aber Leute an. Und so war es am Ende leider so, dass es hier mehr Menschen hatte als an allen anderen Tagen zuvor in denen wir in den Wäldern unterwegs waren. Naja, man kann nicht alles haben.

Der Regen kommt

Nach fast zwei Wochen in den Redwood Wäldern kommt der Regen. Der Regen wird dringend benötigt, löscht er doch die Feuer in Kalifornien und wäscht den Rauch aus der Luft. Für uns bringt er ein neues, letztes Erlebnis. Wir durchwandern den Redwoodwald im strömenden Regen. Die Farben sind intensiver, die Geräusche gedämpfter, es duftet nach feuchtem Moos und Waldboden und die kühlen Tropfen auf der Haut lassen uns immer wieder erschauern.

Schön wars hier!

Reisezeitraum:14. November bis 21. November 2018



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