Kalifornien – Jedediah State Park

Wald hat eine spezielle Faszination für mich, die Vielfallt verschiedenartiger Wälder auf dieser Welt überwältigt mich immer wieder. Zeit, ein neues Erlebnis hinzuzufügen. Redwoods, wir kommen.

Als ich in St. Gallen zur Schule ging, hatten wir einen Redwood vor dem Schulhaus, ich habe viel Zeit bei ihm verbracht – keine Angst, dass Lernen ging dabei nicht vergessen. Rund 14 Jahre danach stehe ich mitten in einem Oldgrowth Redwoodforest.

Acht Stunden zuvor….

Nach einer ruhigen Nacht an der Pazifikküste in Oregon, machen wir uns auf den Weg nach Kalifornien. An der „Grenze“ werden wir kurz aufgehalten und auf frische Früchte kontrolliert und schon sind wir in Kalifornien. Wir haben uns einen kleinen Campingplatz am Meer ausgesucht. Wir kommen an und – uiii alles voll! Was ist denn jetzt los? Wir wissen es noch nicht, aber, hier haben wir keinen Platz. Wir entscheiden uns also doch direkt zu den Redwoods zu fahren. Doch wir haben noch etwas Hunger, uns gelüstet es nach feinem kalifornischen Gemüse und sonstigen gesunden Dingen. Wir gehen also in den McDonalds.

Freundlich werden wir begrüsst und wir werden gefragt, ob wir mit dem neuen Touchscreen bestellen wollen. Klar, probieren wir aus. Wir stellen unser Menü zusammen, bezahlen und setzen uns hin. Da taucht die freundliche Mitarbeiterin auf und teilt uns mit, zwei Drittel der Dinge die wir bestellt haben, gibt es hier gar nicht!? Aha, weshalb kann man sie denn bestellen? Tja, manchmal ist halt die good old analog technology – die Sprache – einfach das beste Mittel zur Kommunikation. Gut gestärkt mit Fast Food machen wir uns auf zu den Redwoods.

Redwood States- and Nationalparks

Das Ganze ist etwas kompliziert hier, es gibt nicht den einen Statepark oder den einen Nationalpark hier. Vielmehr sind über die Jahre verschiedene Initiativen zur Rettung des Ur-Redwoodwalds (Old Growth Forrest, Wald in dem noch nie Fortstwirtschaft betrieben wurde) in Kalifornien gestartet worden. Daraus entstanden oft Stateparks in denen die Wälder nun geschützt und schonend touristisch bewirtschaftet werden. Ganz im Nordosten von Kalifornien wurden nun drei Stateparks und der Nationalpark zusammengelegt und werden gemeinsam betrieben und oft unter dem Begriff Redwood Nationalpark zusammengefasst. Kristen hat uns empfohlen unbedingt den Jedediaha Statepark zu besuchen.

Jedediah Smith Statepark

Bereits auf der Anfahrt durch den Wald werden die Bäume grösser und grösser. Plötzlich taucht das Schild für den Campingplatz auf. Wir biegen rechts ab – und fahren in den Wald. Die Bäume werden höher, die Strasse enger, dann kommt das Zwergenhäuschen. Moment, hier ist etwas falsch. Das Häuschen ist zwar kein Haus, aber auch kein Zwergenhäuschen, ah Moment, es sind die Bäume die so hoch sind.

Dann der nächste Schock, die Übernachtung auf dem Campingplatz kostet 35.- US-Dollar, mit Abstand der teuerste Campingplatz den wir bisher hatten (wir werden noch lernen, dass 35.- US-Dollar günstig sind in Kalifornien). Egal, es ist schön hier, wir wollen bleiben. Wir suchen uns einen Platz aus (hier hat es genügend, denn hier passen keine grossen RVs und Trailers rein) und erfahren nebenbei, dass Veterans Day ist und deshalb alle das schöne Wetter beim Camping geniessen.

Bei unserem Platz hat es einen riesigen Redwood (siehe Titelbild) und innerhalb dieses Redwoods eine sogenannte Firecave, der Baum ist hohl da ein Brand das innere ausgebrannt hat, dem Baum geht es aber gut und er lebt weiter, denn er benötigt nur eine dünne Schicht am äusseren Rand zum Leben.

Redwood in Stout Grove
Redwood

Diese Firecaves sind sehr häufig und sehr eindrücklich, man kann in die Bäume hineingehen!

Wir gehen ins Visitorcenter, decken uns ein mit Karten für Wanderwegen und weiteren Infos über die Region. Noch am selben Abend machen wir uns auf, die Howland Hill Road durch den Old Growth Forest zu befahren. Dieses Erlebnis kann man schlicht weder beschreiben noch bebildern. Umgeben von solchen Giganten die bereits mit Jesus gefrühstückt haben und mit dem Auto oder zu Fuss unterwegs zu sein und sich zu fühlen als sei man eine Ameise. Wir fahren und fahren und kommen erst wieder zum Campground zurück als die Sonne bereits längst unter dem Horizont verschwunden ist.

Howland Hill Road im Redwoodwald.
Howland Hill Road

Am nächsten Tag haben wir die Möglichkeit fast zwei Stunden mit einem Park Ranger durch den Wald zu laufen und wir lernen und lernen und lernen unendlich viele Dinge über Redwoods, den Wald und die Lebewesen in ihm. So lernten wir z.B. wie Redwoods sowohl durch Samen neu wachsen können, viel öfter aber, klonen sie sich selber. Wird ein Redwood gestresst, z.B. durch absägen, oder starke Beschädigung, so startet an dieser Stelle ein neuer Sprössling, ein Klon. Durch genetische Mutation und Variation ist es oft nicht eine genetisch identische Kopie, aber immer noch ein Klon. Wissenschaftler haben einen der ältesten Redwoods untersucht und auf ihm (wenn man dem so sagen kann) 260 Klone gefunden. Deshalb sieht man oft auch zwei, drei oder noch mehr Redwoods die wie zusammengewachsen scheinen. Der Vorteil liegt auf der Hand, der neue Sprössling profitiert vom alten Netwerk, den Wurzeln. Die Wurzeln der Redwoods sind nur flach unterhalb des Bodens und sind in einer Symbiose mit unterirdischen Pilzgeflächten. In einem unberührten Wald kann dieses Netzwerk über viele Quadratkilometer gehen und somit die Redwoods miteinander verbinden. Ebenfalls ist nur ein sehr dünner, äusserer Teil des Holzes lebensnotwendig für den Baum, das innere Hartholz ist nur für die Stabilität zuständig. Die dicke, aber dennoch sehr weiche Rinde ist äusserst robust und kann sogar Feuer widerstehen. Diese beiden Dinge führen dazu, dass ein Redwood fast vollständig hohl sein kann und trotzdem gesund weiterlebt. Ich könnte hier noch viel mehr schreiben, aber ab einem gewissen Punkt muss man diese Bäume erleben und nicht beschreiben.

Die Fähigkeit sich selber zu klonen wird auch zur Wiederaufforstung herangezogen. Bei der oft flächendeckenden Rodung wurden oft zwar die Bäume gefällt, die Wurzeln verblieben aber im Boden und wurden mit der Zeit durch Erosion zugedeckt. Eben diese Wurzeln werden nun wieder freigelegt, alte Forststrassen rückgebaut und so beginnen die Bäume wieder zu wachsen. Und so können dann hoffentlich unsere Ur-(jetzt 20 mal Ur hier einsetzen)-Enkel neue alte Bäume betrachten.

Wir bleiben insgesamt drei Nächte im Jedediah Statepark, bevor wir etwas weiter südlich fahren, in einen weiteren Redwood Statepark und den Redwood Nationalpark.

Reisezeitraum:11. November bis 13. November 2018


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