Jasper – Icefield Parkway

Währen wir beim ersten Mal durch die wolkenverhangene und regengepeitschte Landschaft fuhren und uns wunderten weshalb alle von einer spektaktulären Scenicroute erzählten, durften wir jetzt beim zweiten Mal die volle Dosis Canadian Rockies geniessen. Ab auf den Gletscher!

Der Icefield Parkway ist ein 230 km langes Teilstück des Highway 93 der Jasper mit Banff verbindet. Der Highway führt längs in Nord-Süd-Richtung durch die kanadischen Rocky Mountains. Einer der Höhepunkte ist das Columbia Icefield, ein riesiger Gletscher dessen Ausläufer in drei Nataionalparks münden.

Nach einem eindrücklichen Tag im Jasper Nationalpark hiess es für uns, sucht mal einen Übernachtungsplatz. Wir fuhren also der wunderschönen Strasse entlang, höher und höher in die Berge.

Icefield Parkway mit verschneiten Bergspitzen.
Herbst und Winter

Kleine Randnotiz: Die rot gefärbten Bäume sehen zwar hübsch aus, aber eigentlich ist es eine Tragödie. Aufgrund des wärmer werdenden Klimas breitet sich hier der Borkenkäfer rasant aus und befällt immer mehr Bäume. Längerfristig führt dies zum Tod dieser Bäume. Die rötliche Färbung der Nadeln ist ein eindeutiges Indiz des Schädlingsbefalls.

Back to the road! Wir nähern uns Ende September und damit auch der Nebensaison. Somit begegnen wir leider auch kontinuierlich einem wiederkehrenden Element – dem Closed for the Season Schild bei den Campingplätzen. Uns bleibt nichts anderes übrig als bis ganz nach oben zu fahren, zum Icefield Center.

Foto des RV Parkplatzes beim Columbia Icefield Center.
Wo ist unser Trotti BrumBrum?

Auch hier sind die Plätze für die Zelte (unser Trotti-BrumBrum gilt ja als Zelt auf vier Rädern) bereits gefüllt und so stellen wir uns zwischen die riesigen RVs und stellen uns auf eine sehr, sehr, sehr kalte Nacht ein. Am Ende waren es wohl rund -10°C. Warum?

Gletscherzunge im Morgenlicht.
Darum!

Wir übernachten direkt unterhalb des Gletschers. Wir haben da so eine Idee.

Am Abend haben wir erfahren, dass man auf den Gletscher rauf kann – mit dem Bus. Wir denken uns, dass schaffen wir auch zu Fuss. Also brechen wir frühmorgens auf und laufen, und laufen, und laufen. Wir sind überrascht wieviele Höhenmeter wir machen müssen nur bis wir die Gletscherzunge erreichen. Wir denken uns noch so, hey wir sind klug, wir laufen der Strasse entlang wo die Busse fahren, dann fallen wir auch sicher nicht in eine Gletscherspalte.

Steile Schotterstrasse zum Gletscher.
Steil!

Die Steilheit kommt nicht so ganz rüber auf dem Foto, ihr müsst uns einfach glauben, es war sehr steil! Irgendwann haben wir die Gletscherzunge erreicht. Mit einem etwas mulmigen Gefühl und auf einer sehr sehr rutschigen, weil eisigen Strasse, rücken wir vor auf unserer Gletscherexpedition.

Blick hinunter ins Tal vom Gletscher.
Auf dem Gletscher

Ja und als wir fast oben angekommen sind, da kommt uns ein Pistenfahrzeug entgegen und der Fahrer hat nicht so eine Freude. Was wir denn hier machen würden? Ja auf den Gletscher wandern natürlich. Ja das sei keine so gute Idee, denn in Kürze kämen hier die Touristenbusse hoch (ja die wollen wir mal sehen wie die hier hoch kommen) und dann wird es sehr gefährlich hier – und übrigens es sei nicht erlaubt hier hochzulaufen. Also ein Schild oder ein Absperrung haben wir nicht gesehen – ehrenwort! Und auf meine Frage weiterunten ob man hochlaufen könne kam nur die Antwort – versucht es ruhig. Da waren wir also, fast oben, doch nicht ganz oben und zum Umdrehen verdammt.

Blick auf das Columbia Icefield.
Fast ganz oben.

Etwas wehmütig drehen wir also um, wir wollen ja schliesslich nicht von den Bussen überfahren werden – und wie wahrscheinlich das ist, sollten wir noch schneller erfahren als uns wohl ist.

Wir drehen also um, laufen langsam wieder den Gletscher hinunter und kaum sind wir auf dem Schotterweg, da kommt der erste Touristenbus auch schon angekrochen.

Gletscherbus auf Schotterweg.
Touristenbus auf Steroiden.

Ein riesen Ungetüm mit Rädern die meinen Kopf um einiges überragen und gefüllt mit – Touristen! Die Touristen hatten eine Freude an uns, wir wurden wohl mehrer hundertmal gefotografiert :-D. Die Busfahrer haben uns auch mit einem Lächeln zugwunken, war wohl nur der Pistenbullifahrer der mit dem falschen Bein aufgestanden war.

Und die Nummer 2

Wir schaffen es nur die Hälfte des rund 100 Meter langen steilen Anstiegs hoch, als schon der nächste Touristenbus vorbeikommt.

Massentourismus

Als wir oben auf dem Hügel ankommen, ist der dritte Bus schon an uns vorbei. Irgendwie bin ich froh, dass ich jetzt nicht mehr auf dem Gletscher bin.

Nach weiteren 10 Minuten öffnet sich ein neues Blickfenster zurück auf den Gletscher.

Fast da oben waren wir – alleine!

Wir wenden den Blick derweil in die andere Richtung – während Bus Nummer 4 und 5 an uns vorbei fahren.

Aussicht auf die Gletschermoräne.
Beeindruckend

Wir machen uns auf den Weg nach unten und keine 20 Minuten später sind wir wieder auf der Teerstrasse. Derweil sind Bus Nummer 6 und 7 an uns vorbei gefahren. Und kaum unten, da kommen uns im 5 Minutentakt die richtigen Touristenbusse entgegen, die die Touristen zu den Touristenbussen bringen.

Türkiser Touristenbus.
Mir fallen nur zynische Worte ein für die Beschriftung.

Unten angekommen werfen wir einen letzten Blick zurück.

8 Busse sind aktuell oben.

Während wir zu Fuss und gratis unterwegs waren, kostet ein Ticket im Bus da hoch rund 100.- Franken – pro Person. Viel Spass!


2 Antworten auf „Jasper – Icefield Parkway“

  1. Danke fü den interessanten Bericht 🙂
    Anstrengend, gigantisch! Aber da gibts wenigstens noch Gletscher, während man sie bei uns bald nur noch im Museum zu sehen bekommen . . .
    Der Bereifung nach zu schliessen (bei Bus Nr. 2) ist das wirklich ein schwieriges Gelände. Schweres Gerät!
    Liebe Grüsse Markus

    1. Hallo Markus

      ja, es kommt auf den Fotos nicht ganz so rüber, da fehlt die dritte Dimension, aber es war sehr steil aber echt wunderschön.

      Ich habe mir fest vorgenommen, die schweizer Gletscher zu bewandern sobald wir zurück sind.

      Ich mag mich noch erinnern, als ich mit meinem Vater vor rund 25 Jahren auf den Brandner Gletscher gewandert bin, heute ist nur noch ein kleiner Bruchteil des damaligen Gletschers vorhanden.

      Diese Touristenbusse die da hochfuhren waren echt beeindruckende Maschinen. Die hatten rund 20 dieser Busse vor Ort und es muss sicher ein Erlebnis sein mit diesen Dingern da hochzufahren. Aber eben, wir hatten unser eigenes, sehr spannendes und eindrückliches Erlebnis – halt ohne Dieselmotor.

      Liebe Grüsse
      Janosch

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