Helgelandskysten der Norden – Durch Wind, Regen und Schnee

Helgelandskysten ist die längste nationale Touristenstrasse Norwegens und führt entlang der Küste zwischen Trondheim und Bodø als Alternative zur Europastrasse E6. Ich fahre sie von Nord nach Süd, hinauf auf die Hügel Berge und wieder runter, über Inseln, durch Wälder bis mir fast der Diesel ausgeht.

Daten und Fakten

Insgesamt ist die Strecke 433 km lang und es müssen 6 Fähren benutzt werden. Sie (Strasse 17) verläuft von Holm bis Godøystraumen. Sie ist Teil des Kystriksveien von Steinkjer nach Bodø. Mehr Infos findet ihr auf der offiziellen Website.

Los gehts

Das Wetter will ja nicht so im Moment, während die Schweiz bereits im Sommer angelangt ist, streiten sich die Regentropfen hier im Wind darum, welcher härter treffen darf. Im Trotti BrumBrum führt dies zu einem melodiösen TackTockTickIrgendwas, sobald man draussen ist, wird man erschlagen und gepeitscht. Ok, ab und an ist es auch nicht so dramatisch und in ganz seltenen Fällen, gügslet die Sonne kurz zwischen den Wolken hervor.

Ich fahre gen Süden und stauen über die vielen Möglichkeiten zum Wandern hier. Das tolle ist wäre, man ist hier so weit im Norden, dass die Baumgrenze sehr tief ist. Man kann also wenige hundert Höhenmeter machen und schon ist man in einer hochalpinen Szenerie wie man sie aus der Schweiz ab ca. 2000 Meter kennt. Durch die Schneeschmelze ist aber nicht daran zu denken auch nur eine Wanderung in Angriff zu nehmen. Mehrer Versuche scheitern kläglich mit nassen Schuhen, nassen Hosen oder nassen Schuhen und nassen Hosen – vom Schlamm und Dreck gar keine Rede. Also heisst es, fleissig die guten Plätze markieren auf der Karte und irgendwann zurückkommen.

Irgendwann mag auch ich nicht mehr fahren und so begebe ich mich auf einem kleinen Parkplatz zur Nachtruhe.

Bild eines roten Campervans auf einem leeren Parkplatz.
Verlassener Parkplatz ideal für die Nachtruhe

Svartissen

Am nächsten Morgen lasse ich mir Zeit und nach einem ausgiebigen Frühstück mit hausgemachter Marmelade von Anne-Lise, gehts weiter. Nachdem ich wiedereinmal steile Strassen bergwärts erklommen habe (also natürlich Trotti BrumBrum, nicht ich selber), einen düsteren Tunnel durchfahren habe, da taucht er plötzlich auf. Hoch oben an der Kante der Bergspitzen spietzelt er nach Unten – der Svartissen Gletscher.

Foto einer Abbruchstelle des Svartissen Gletschers.
Blick auf den Svartissengletscher

Der Svartissen Gletscher ist der zweitgrösste Gletscher Norwegens und etwas weiter der Strasse entlang erhascht man einen Blick auf eine Gletscherzunge die bis ins Meer kalbt – oder genauer – kalbte. Sämtliche Reiseliteratur (neustes Datum 2018) beschreibt, wie der Gletscher ins Meer kalbt. Leider tut er dies nicht mehr – dem fortschreitenden Klimawandel sei dank. Doch trotzdem ist der Blick auf diese Gletscherzunge imposant. Leider fahren im Moment keine Boote auf die andere Uferseite und somit ist es nicht möglich näher ran zu kommen. Im Sommer kann man bis hoch zum Gletscher wandern – entlang der Gletscherzunge.

Blick auf die Gletscherzunge des Svartissen Gletschers mit Abbrüchen.
Gletscherzunge des Svartissen Gletschers

Noch mehr Franzosen

In der Nähe des Svartissengletschers fahre ich auf einen Rastplatz und sehe einen alten Mercedes Vito mit französischem Kennzeichen – an und für sich nichts spezielles, denn es hat relativ viele französische Touristen hier. Aber bei einem zweiten Blick erkenne ich, dass ein kleiner Holzofen im Van eingebaut ist. Moment, haben nicht Sebastian und Zoé von so einem Ofen erzählt? Ich nichts wie hin: „Hi! Are you friends with Zoé and Sebastian?“ die Blicke hättet ihr sehen müssen. Das waren tatsächlich die Kollegen der Beiden mit denen sie in den Norden gefahren sind. Sie sind auf fünfwöchiger Hochzeitsreise und sind mit ihrem Van bis hoch ans Nordkapp – nur mit minimalster Einrichtung, dem Holzofen. Keine Webasto AirTop 2000 Dieselstandheizung, kein ausklappbares Komfortbett, keine Thermomatten – ich dacht ich sei spartanisch unterwegs – neben den Beiden komme ich mir aber vor wie ein Luxusreisender – der es nicht bis ans Nordkapp geschafft hat. Wir unterhalten uns einwenig, bevor wir wieder getrennte Wege gehen. Auf der Strasse begegnen wir uns noch ein paar Mal, bevor sich die Wege endgültig trennen.

Diesel

Man muss sich diese Strasse so vorstellen, sie führt entlang der Küste, von Dörfchen zu Dörfchen. Ab und an gibt es Abzweigungen zu den grösseren Städten im Landesinneren, aber grundsätzlich ist die Strasse sehr abgelegen – vor allem jetzt im Winter. Irgendwann stelle ich fest, Tankanzeige nur noch einviertel voll und da hat es eine Tankstelle. Nein Preis ist mir zu hoch, Tankstellen gibt es ja viele hier in Norwegen – also weiterfahren. Fünf Stunden später, Warnton vom Auto – hey Janosch, ich habe Durst im Fall. Ja kommt sicher gleich eine Tankstelle. Eine Stunde später, etwas nervigerer Warnton – hey Janosch, ich habe wirklich Durst. Hmm ja ich weiss, aber ein Blick auf Google Maps zeigt – keine Tankstelle. Scheisse! Bis zur nächsten Fähre sind es noch 20 Kilometer, übernachten mit Standheizung hier traue ich mich nicht mehr (braucht auch Diesel), zurück geht nicht, sind ca. 120 Kilometer und zwei Fähren bis zur letzten Tankstelle. Also bleibt nur eins, vorwärts.

Dann die Erleichterung, kurz vor der Fähre ein Schild mit einem Zapfhahn (nicht für Bier). Man muss wissen, in Norwegen gibt es die klassischen, grossen Tankstellen mit Shop und so, und dann ganz kleine die niergends verzeichnet sind – da steht dann einfach eine Zapfsäule ganz alleine so in der Gegend herum. Ich denke mir also schon, Glück gehabt. Fahre hin, ja sie haben Diesel (nicht selbstverständlich). Aussteigen, Kreditkarte rein – abgelehnt. Hmm ok, kommt vor, zweite Kreditkarte rein, abgelehnt – ernsthaft? Dritte Kreditkarte – abgelehnt. Letzte Chance, EC Karte – abgelehnt. Kruzifix und heillige Scheisse. Weit und breit kein Mensch und ich hab kein Diesel mehr.

Also rauf auf die Fähre (habe gerade gesehn das sie naht) und weiter gehts über den Polarkreis nach Süden. So hätte ich mir die erneute Polarkreisüberfahrung nicht vorgestellt – aber eben, was sind schon Erwartungen auf einer Reise!

Aber mal sehen. Nervtötender Warnton jedesmal wenn man das Auto startet – habe Durst, du bist am Arsch, haha! Normalerweise weiss ich, wenn ich auf Reserve bin, habe ich noch ca. 8 Liter Diesel, das reicht für ca. 150 Kilometer. Google Maps sagt, nächste grosse Tankstelle in 110 Kilometer. Jetzt sind das aber keine normalen Strassen sondern da gehts rauf und runter wie auf der Achterbahn (auch mal mehr als 10% Steigung und so) – keine Ahnung wie meine Ansaugpumpe damit umgeht.

Janu, was bleibt mir übrig als es zu versuchen.

Ich also runter von der Fähre und los. Keine 20 Kilometer weit gefahren, ein Schild bei einer Abzweigung, 2 Kilometer nach Rechts zu einer Zapfsäule. Yess! Ich los, hin, und da steht schon ein Einheimischer – verzweifelt versucht er seine Kreditkarte zum Tanken zu benutzen. Nach 5 Minuten gibt er auf. Innerlich Fluche ich schon wie ein Wald voll Affen. Aber ich probiers trotzdem. Erste Kreditkarte – funktioniert nicht. Zweite Kreditkarte – funktioniert nicht. Heillige Scheisse. Zweite Kreditkarte ganz einfühlsam einschieben – YESSS! Es gibt Diesel in einem verlassenen Kaff irgendwo an auf einer Halbinsel.

Nach weiteren 20 Kilometer finde ich ein heimeliges Plätzchen wo ich mich zur Nachtruhe begebe – die Standheizung läuft auf Vollgas – nur weil ich es kann :-D.

 

 

3 Antworten auf „Helgelandskysten der Norden – Durch Wind, Regen und Schnee“

  1. Das war vielleicht ein spannender Bericht. In Gedanken bin ich schon losgefahren um dir Diesel zu bringen. Weiterhin viel Glück für solche Situationen.

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