Banff – kurz bevor der Schnee kommt

Wir haben noch einen Tag Zeit bevor das Wetter erneut kehrt. Zuerst Regen und Wind, dann Schnee. Aber heute ist es noch schön Wetter und so wollen wir den Tag noch einmal so richtig ausnutzen.

Icefield Parkway – Banff Abschnitt

Kurz nach dem Columbia Icefield endet der Jasper Nationalpark und man fährt direkt in den Banff Nationalpark hinein. Als wir das erste Mal hier durchfuhren, wollten wir auf den Parker Ridge aufsteigen, ein schöner Trail der einem über die Baumgrenze bringt. Damals hats geregnet, heute liegt Schnee drauf und es hat hunderte von Touristen. Mit dem morgendlichen Gletscherabenteuer in den Beinen entscheiden wir uns, nicht hinauf zu wandern. Wir entscheiden uns stattdessen in Richtung Lake Louise zu bewegen.

Das Wetter ist noch auf unserer Seite und wir geniessen erneut die tief beeindruckende Bergwelt der kanadischen Rockies.

Icefield Parkway vor Bergkulisse im Banff Nationalpark
Impossante Bergwelt!

Fährt man Richtung Banff, so kommt man bald in ein tiefer gelegenes Tal – Saskatchewan River Crossing. Hier liegt ein etwas tiefer gelegener Pass der eine Ost-West Verbindung darstellt. Während man nach Osten auf einer Strasse fahren kann, bleibt einem nach Westen hin nur die Variante zu Fuss oder per Pferd.

Türkisfarbiger Fluss
Türkisfarbiges Wasser

Das Gletscherwasser, hauptsächlich vom Columbia Icefield, sorgt für wunderbare Farbtöne der Flüsse und Seen in dieser Region. Und so liegen auch die wohl meistfotografierten Seen Kanadas in dieser Region.

Türkisfarbiger See in den Rocky Mountains.
Glasklares Wasser.

Unser heutiges Ziel ist Lake Louise – ein Touristenhotspot und ein Must-See wie uns alle sagen. Wir sichern uns also einen Platz auf dem Campingplatz dort und fahren dann hoch zum See.

Lake Louise

Die Reisedestination im Banff Nationalpark. Wir kommen also an – und ich, naja, bin etwas enttäuscht. Uiiii, bin ich verwöhnt von vielen schönen Dingen. Ohne Zweifel, Lake Louise ist wunderschön, aber so sind es auch die vielen anderen Seen in den kanadischen Rocky Mountains, vielleicht nicht ganz so satte Farben, vielleicht nicht ganz so schön eingerahmt von den Bergkulissen, aber definitiv weniger Menschen. Auf meine Bemerkung zu einem Parkplatzeinweiser – ganz schön viel los hier – kriege ich ein Lachen und die Antwort – heute ist es sehr ruhig und wenig los.

Der Reiseführer empfiehlt eine Kanufahrt auf dem Lake Louise. Wir sparen uns die rund 130.- kanadischen Dollars für eine halbe Stunde Kanumiete und spazieren etwas entlang des Sees.

Wir haben noch ein anderes Ziel heute. Den sagenumwobenen Moraine Lake. Googlet man nach Banff Nationalpark und See, sieht man ein Bild des Moraine Lake, schlägt man einen Reiseführer auf, sieht man ein Bild des Moraine Lake. Auf Instagram ist man nur jemand wenn man ein Bild des Moraine Lake in seinem Portfolio hat. Also wir wollen zum Moraine Lake. Einziges Problem, das wollen sprichwörtlich tausende von Menschen. Was also tun?

Moraine Lake

Von Christian und Ines wissen wir bereits, tagsüber ist es unmöglich mit dem Auto dorthin zu kommen und die Shuttlebuse sind masslos überfüllt. Ich versuche also Infos zu bekommen. Es ist 16.30 am Nachmittag.

Folgende Situation: Es hat rund 50 Parkplätze beim Moraine Lake. Diese sind im Sommer am Morgen um 5.30 Uhr bereits gefüllt und bleiben es bis am späten Abend. Jetzt, mitte September sind sie morgens um 6.30 Uhr gefüllt und bleiben es bis am Abend um 17.30 Uhr – das ist die Zeit, wenn die Strassensperre entfernt wird und man auf gut Glück hineinfahren kann. Dazwischen werden die Autos reingelassen, sobald ein Parkplatz frei wird, d.h. Glücksspiel. Und so gibt es Menschen die einen ganzen Tag nichts anderes machen als die Strasse runter zu fahren und wieder hoch um zu hoffen, das just in diesem Moment ein Parkplatz frei wird und die Strassensperrer sie hineinlassen – denn sobald ein Platz frei wird, erhalten die Strassensperrer per Funk die Info und lassen den nächstbesten, willigen Autofahrer die 11 Kilometer zum Moraine Lake fahren.

Wir entscheiden uns also bis um 17.30 zu warten und dann loszufahren. Mit uns warten ca. 50 andere Autos. Uns gelingt es tatsächlich, nach nervenaufreibenden 20 Minuten warten auf einem angrenzenden Parkplatz, ungefähr als elftes Fahrzeug in der Kolone zum Moraine Lake zu fahren. Wir haben Glück und erhalten einen Parkplatz und können uns also den Moraine Lake anschauen.

Ich muss sagen, es ist ein wunderschöner See. Ich hatte einen riesigen Spass dort Fotos zu machen, aber irgendwie hinterlässt das alles einen faden Beigeschmack und lässt meinen Zynismus wachsen. Den mit uns waren hunderte andere Menschen dort – alle erpicht auf ein Foto und ein Selfie von sich dort. Zwei Plätze fallen besonders auf (geht mal auf Instagram und gebt Moraine Lake ein). Erstens ein Baumstam der in den See hineinragt und zweitens zwei kleine Tannen etwas erhöht über dem See. Auf dem Baumstam kann man ca. 10 Meter nach vorne laufen – nachdem man 30 Minuten in der Schlange gewartet hat – und ein Moody InstaSelfie machen. Zwischen den beiden Tannen hängt man die Hängematte auf – nachdem man rund 20 Mintuen in der Schlange gewartet hat, und macht dann ein Foto mit dem Kommentar: Natur pur oder so was. Dazwischen wird allerlei Krimskrams von allerlei Influencern vermarktet. Von Uhren über Rucksäcke bis Wanderstöcke, Fotoaparate usw. Ich weiss noch nicht was ich davon halten soll, ich blogge und habe Instagram – wenn auch nur im kleinen Stil. Trotzdem fühle ich mich irgendwie auch verantwortlich dafür. Ach was weiss ich schon, die Selbstzweifel über das was ich tu wachsen …..

Moraine Lake mit Sonnenuntergang.
Ohne Touristen auf dem Foto

Schön ist es ohne Zweifel.

Wir kehren zu unserem Campingplatz zurück und geniessen eine ruhige Nacht im Wissen, dass ein Elektrozaun uns vor den nahen Grizzlybären schützt.

Johnston Canyon

Unseren letzten Tag wollen wir erneut auf dem Campinplatz beim Jonston Canyon verbringen und die Chance nutzen, bei leichtem Regen den Johnston Canyon zu bestaunen. Ich lasse für einmal meine Kamera daheim und geniesse mit Christina einfach die Zeit. Die vielen Eindrücke auf dieser kleinen Wanderung behalten wir für uns.

Den Abend verbringen wir mit Sepp und Marianne, zwei Schweizern die für zwei Monaten den Westen Kanadas bereisen, bei einem Glas Wein (oder zwei oder drei) am Lagerfeuer. Am nächsten Morgen machen wir uns parat für die Weiterreise – doch was ist den dass?

Wir sitzen gemütlich um unser Lagerfeuer, als pötzlich ein riesiger Touristenbus heranfährt. Ein asiatischer Erdenbürger steigt aus, läuft zum nahe gelegenen Toilettenhaus und wieder zurück, kurz darauf verlassen eine ganze Busladung asiatischer Erdenbürger den Bus und stürmen das Toilettenhäuschen und – die umliegenden Campingplätze inklusive unserem. Mit Smartphones und Selfiesticks bewaffnet nähern sie sich uns und unseren lieben Mitcampern und machen Fotos und Selfies was das Zeugs hält. So muss sich wohl ein Tier im Zoo vorkommen. Ich antworte jeweils mit einem bösen, sehr bösen Blick in die Kamera und nach kurzer Zeit rennt der erste asiatische Erdenbürger umher und versucht die Schar auf dem Campingplatz einzusammeln und in den Bus zu treiben was ihm nicht ganz gelingt. Nach ca. einer Viertelstunde haben dann alle Erdenbürger das Toilettenhäuschen aufgesucht und kurz bevor sie losfahren wollen tauchen dann auch die Park Ranger auf – und weisen den ersten asiatischen Erdenbürger deutlich darauf hin, dass dies nicht in Ordnung sei. Wiederum kurz darauf taucht eine Putzkolone auf und reinigt die Sanitäranlagen für uns Camper.

Wir haben genug erlebt im Banff und Jasper Nationalpark. Mit einem grossen Rucksack an schönen und eindrücklichen und ein paar kuriosen Eindrücken machen wir uns auf den Weg Richtung Westen.

6 Antworten auf „Banff – kurz bevor der Schnee kommt“

  1. Wow, ich bin begeistert und bezaubert von euren tollen, abenteuerlichen und wundervollen und diversen Erlebnissen auf eurer Reise. Herzlichen Dank, dass ihr uns teilhaben lasst. Dieser Beitrag gefällt mir besonders gut, weil es die Natur in seiner geballten und in seiner vermeintlich unberührten Schönheit zeigt. Genauso sind eure Geschichten sehr interessant und eurer Erzählstil sehr packend als wäre man live dabei. Ich wünsche euch von Herzen alles Liebe und weiterhin tolle Erlebnisse.
    Ich denke an euch und wünsche euch eine gute Weiterreise. Passt auf euch auf.
    Alles Gute, Vivien

    1. Hallo Vivien

      freut uns, dass dir die Beiträge gefallen und du einwenig mitreisen kannst. Der Blog ist einerseits als Erinnerung für uns für spätere Zeiten und natürlich für all diejenigen die jetzt „live“ dabei sein möchten.

      Danke fürs Kompliment und viel Spass beim weiterlesen.

      Liebe Grüsse aus Seattle
      Janosch & Christina

  2. Hoi Janosch, ja das sind tolle Geschichten. Wir waren ja vor gefühlten 100 Jahren beim Moraine Lake…. (Juli 1999) aber so viele Touristen wie du schreibst habe ich nicht mitbekommen. Der Parkplatz war auch nicht überfüllt, geschweige man musste warten um die Strasse entlang zu fahren….. Und das im Oktober :-\ Wow…. Nichts destotrotz weiterhin gute Reise…. und viel Spass mit den anderen Touris 🙂

    1. Hallo Beatrice

      ich habe das Gefühl, es ist Heute einfach zu billig um überall auf der Welt mal schnell hinzukommen. Ich weiss, dass ich ja selber auch ein Tourist bin und unterwegs bin und diese Sachen anschaue, aber teilweise frage ich mich wirklich ob das noch eine gute Idee ist. Das Erlebnis am Moraine Lake und etwas später in Tofino (Bericht kommt bald ;-)) hinterlassen definitiv nachdenkliche Spuren bei mir.

      Anyway, viele liebe Grüsse ins Rheintal an dich und die Familie.
      Janosch

  3. Besten Dank für den weiteren Bericht und die eindrücklichen Bilder!
    Tja, Kampf um die Toilettenplätze . . .
    Aber Ordnung muss sein, asiatischer Erdenbürger hin oder her!

    Liebe Grüsse Markus

    1. Hallo Markus

      danke für das Kompliment und bitte gerne – es folgen noch viele Berichte :-D.

      Ja das Toilettenbenutzen hat mich nicht wirklich gestört, aber das ungefragt 20 mal fotografiert werden als ob ich ein Zootier wäre schon.

      Gruss aus Seattle
      Janosch

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